"April, April!" Von altbekannt bis originell: Am 1. April versuchen viele Medien ihre Nutzer zu verschaukeln

Von Luisa Hess (epd)

Berlin (epd). Alle Jahre wieder versuchen viele Medien ihre Leser, Hörer und Zuschauer in den April zu schicken. Auch in diesem Jahr waren der Kreativität der Journalisten dabei scheinbar keine Grenzen gesetzt: Während einige Zeitungen extra ganze Seiten aufwendig mit fingierten Grafiken gestalteten, startete mancher Radiosender sogar eine vermeintlich neue Sendung. Oft bedienten sich die Redakteure dabei Themen, die in der Region in der Vergangenheit für Aufregung gesorgt hatten.

Für die Frühaufsteher liess sich der Radiosender Landeswelle Thüringen schon um 6 Uhr morgens einen skurrilen Scherz einfallen. So wurden die Hörer an diesem Morgen statt vom bekannten Radiomoderator vom thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) begrüsst - getreu seines vermeintlich neuen Mottos: "Erst Radio und dann regieren". Für die "Bodo Show im Radio" hatte der Sender sogar massgeschneiderte Rubriken für den Politiker geschaffen. In "Bodos linken Dingern" stellte Ramelow etwa die Polizeimeldung der Woche vor, in "Bodo, Bello & Co." outete sich der Ministerpräsident zudem als passionierter Hundebesitzer.

Auch die "Berliner Zeitung" präsentierte sich pünktlich zum 1. April besonders einfallsreich. Unter dem Titel "Die Formel 1 kommt" kündigte das Blatt in seiner Freitagsausgabe an, Berlin werde neuer Konkurrenz-Schauplatz zum Nürburgring in der Eifel. In den vergangenen Monaten war die Hauptstadt durch die Zunahme illegaler Autorennen negativ aufgefallen. Dem Bericht zufolge sollen nun ab 2017 internationale Autorennfahrer direkt durch Berlins Innenstadt rasen - über die Karl-Marx-Allee, vorbei am Hackeschen Markt und quer über den Alexanderplatz. Sogar eine eigene Grafik mit dem genauen Verlauf der Formel-1-Rennstrecke hatte die Lokalausgabe gestaltet.

Um das Thema Fortbewegungsmittel drehte sich auch eine Pressemitteilung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Leipzig. Der Innenstadtring der sächsischen Stadt solle ab kommenden Mai "autofrei" werden, hiess es darin. Nur noch Fahrräder, Taxis, Anwohner sowie Bus und Bahn seien künftig in dem Gebiet zugelassen. Zudem schwebe dem Bündnis für die Zukunft angeblich noch eine viel weitreichendere umweltfreundliche Transportalternative vor: Esel. Dafür überlege der BUND Leipzig sogar, in die Eselzucht einzusteigen.

Auch politische Seitenhiebe wurden verbreitet: In Hessen etwa scheute sich die "Frankfurter Rundschau" in ihrer Online-Ausgabe nicht, die AfD aufs Korn zu nehmen. Die Zeitung vermeldete, die Partei plane eine interne Partnervermittlung. Der Vorschlag zur Gründung der vermeintlichen Stiftung "Partner für Deutschland" stammte angeblich von der Jugendorganisation "Junge Alternative". Parteivorsitzende Frauke Petry unterstütze die Idee ebenfalls. Um sich mit Hilfe der Stiftung einen künftigen Ehepartner vermitteln zu lassen, müssten die Antragsteller unter anderem ein deutsches Ausweisdokument und ein Familienstammbuch vorlegen.

Eine skurrile Kooperation ist scheinbar auch die Polizeidirektion Niedersachsen eingegangen. Laut Pressemitteilung wird die Taucher-Staffel von nun an von der Seelöwin "Lotta" unterstützt. Die 18-monatige Ausbildung des Meeressäugers hatte angeblich der zuständige Polizeidiensthundeführer übernommen. Inzwischen höre Lotta in ihrem Wasserbecken im Zoo Hannover präzise auf jedes Kommando und sei bereit für ihren ersten Einsatz in Niedersachsen.

Auch christliche Medien verzichteten am 1. April nicht auf die Gelegenheit, ihre Leser aufs Glatteis zu führen. So berichtete die evangelische Zeitung für Westfalen und Lippe "Unsere Kirche" in ihrer Onlineausgabe vom vermeintlich neuesten Coup des Schauspielers und Regisseurs Til Schweiger. Demnach kündigte Schweiger bei einer vermeintlichen Pressekonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Freitag an, er wolle Pfarrer darin fortbilden, wie sie ihre Gottesdienste zu einem "echten Kracher" machten.